Ich habe gesündigt
und werde hoffentlich Vergebung erlangen. Denn ich habe Buße getan. Die Oberste Mutter FrauKatz schickte mir eine fürchterliche Strafe, damit ich mir meiner Schuld bewusst und mich ihr nie mehr hingeben werde.

Mit brennender Geduld *dramatische musik*
Die Rückseite des Buches sagt:
Die großartigste Liebeserklärung an Pablo Neruda – Antonio Skármeta hat mit diesem Meisterwerk dem großen Chilenen Pablo Neruda und seinem Postboten Mario ein bleibendes und poetisches Denkmal gesetzt. Dieser Roman über Freundschaft und Liebe, über Poesie und Leidenschaft, über Freiheit und Politik wurde zweimal eindrucksvoll verfilmt, zuletzte mit Philippe Noiret und Massimo Troisi
Antonio Skármeta, Pablo Neruda und der Postbote Mario. Alles wohlklingende Namen, muss man ja sagen. Und sagen mir so viel wie Michael aus Berlin, Pernille aus Dänemark oder Francesco aus Italien. Und wenn ich die Namen schonmal ausschließen kann, vertraue ich normalerweise auf die restlichen Angaben die bezüglich des Inhalts auf so einer Rückseite zu stehen pflegen. Es ist eine Liebeserklärung. Es geht um Freundschaft und Liebe, über Poesie und Leidenschaft, über Freiheit und Politik. Mmh. Herr der Ringe? 150 Seiten hat das Büchlein inklusive Prolog und Epilog – wie genau will es da alle diese großen Themen in der beschriebenen denkmalsetzenden Großartigkeit wiedergeben? Ich ahne eine schwere Strafe, die FrauKatze mir da auferlegt hat und bereue bereits meine Vergehen.
Der Prolog ist schonmal sehr … vielversprechend in der Hinsicht. Der Autor erzählt aus der Ich-Perspektive, dass er es nie geschafft hatte, einen Roman zu schreiben, obwohl er schon sehr viele angefangen hatte. Für den Roman, den man in den Händen hält – 150 Seiten, ichsagsnurnochmal -, hat er 4 Jahre gebraucht. Und sagt selber, dass es langweilig ist. Oh FrauKatz, was haben Sie mir angetan.
Der Inhalt dieses weltbewegenden Epos: Mario ist der Sohn eines armen Fischers, benimmt sich aber ansonsten eher wie ein durchschnittlicher 17-jähriger aus europäischen Breiten. Warum früh aufstehen, wenn ein bisschen Schnupfen einem ein warmes Bett bescheren kann. Was den Kerl nicht unbedingt sympathisch macht, den er verwendet diese Masche ca. jeden zweiten Tag. Bis er eine Stelle als persönlicher Briefträger für den langweiligen, dicken, anscheinend berühmten Dichter Pablo Neruda wird. Und diesen vollsülzt, anthiit und so gut wie seine Füße küsst ohne dass ich weiß warum. Und er lernt ein neues Wort: Me-ta-pher. Und als Mario sich verliebt, weiß er auch plötzlich, was Metaphern sind. Warum er sich verliebt, weiß ich nicht genau. Angeblich ist sie wunderschön, aber sie verarscht ihn erstmal ganz schön und er ist wie angegossen und starrt. Männer halt. Wo aber das Buch mich total verliert: Mario lernt Nerudas Verse auswendig und sülzt nun dieses wunder-wundervolle Wesen namens Beatriz voll und hat ganz plötzlich gar keine Probleme mehr mit angegossen sein und starren. Und sie verarscht ihn auch nicht mehr, sondern verliebt sich bis über beide Ohren. Äh, ja. Das kam plötzlich. Ohne jegliche Hindernisse. Keine Nebenbuhler, kein Stolz, keine Vorurteile. Nur die Schwiegermama, die hiermit meine volle Sympathie hat.
Hier beginnt das Buch spannend zu werden. Denn jetzt kommt die Leidenschaft ins Spiel. Wie auch Mario merkt. *hust* Die danach anscheinend den Rest seines Lebens steuert. *hust* Wenn man den ausführlichen Beschreibungen Glauben schenken darf. Mit Eiern. Also – Hühnereiern, ich weiß ja nicht, woran ihr denkt. Details werden nur auf Anfrage herausgegeben. Man will ja keine Suchmaschinen-Spanner hier haben.
Dann kanditiert Naruda als Präsident, verliert, es gibt irgendwas mit Krieg, Hungersnot, Mario wird Koch, Naruda geht nach Paris, Mario und Beatriz’ Leidenschaft wird mit Beifall belohnt. Naruda stirbt.
Nein, ich weiß nicht welche von denen denn nu die Hauptgeschichte ist. Ich weiß nicht, worauf die Beziehung von Naruda und Mario aufbaut. Ich weiß nicht, worauf die Beziehung von Beatriz und Mario aufba– oh, doch. Leidenschaft. Wie konnte ich das vergessen.
Die Sprache wechselt zwischen total oberflächlich und uniformativ und super detailiert, mit Metaphern bespickt und überflüssigen Tatsachen. Außerdem werden die ganze Zeit Zeiten vermischt.
Kurz: ich verstehe ich die vergebenen 5 Sterne bei Amazon nicht. Aber es sollte ja auch eine Strafe für mich sein. Ich glaube, nur deswegen habe ich mich durchgekämpft. Obwohl die große FrauKatz doch sehr gnädig war, und eine sehr kurze, nur 150-seitige und dazu noch schokoladige Strafe verhängte. Ich hoffe, sie reichte aus um mir vergeben zu können.

February 11th, 2010 at 09:57
Muahahahahahahaha! Ha!
Wenn ich mir das so angucke, dann ist Dir mehr als vergeben. Ich glaube, da könntest Du jetzt auch noch so ein, zweimal zum Lidl gehen.
Nicht, dass Du … aber … weil. Oi. :ugly:
February 15th, 2010 at 11:31
Oh! Das kenn ich! Glaub ich. Also, ich bin überzeugt, den Film gesehn zu haben.
Wart mal kurz.
*rumbuddel*
Jahaha, ich wusste es. “Il Postino”, 1994. Die Metapher war’s. Ich erinnere mich an den zwiebelschälenden Dichter und eine Szene, wo Dichter und Postbote in einem Bötchen sitzen und Ersterer versucht, Letzterem begreiflich zu machen, was eine Metapher ist. Er hat’s nicht gerafft. Ich damals auch nicht. :ugly:
Mama liebte den Film.
February 15th, 2010 at 16:31
Uuuuh, danke. Jetzt weiß ich, dass ich mir den Film nicht auch noch antun muss …